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Allgemeines

Allgemeines zum Thema Koiteich und den Nishikigoi:

Als ich mit dem Hobby Koi begann war mir nie klar, welche Bedürfnisse, Lebensraum, Geld und Zeit dieses Hobby in Anspruch nehmen würde. Es ist nicht einfach und vor allem nicht billig diese wunderschönen Tiere artgerecht zu halten. Dies sollte sich jeder Neueinsteiger direkt vor Augen führen, denn ein reiner Koiteich hat rein gar nichts mehr mit einem Mischteich, Goldfischteich oder einem Wasserbiotop gemeinsam. Es ist nicht damit getan, ein Loch mit Wasser zu füllen, nein, denn von dem Loch bis zum Koiteich ist noch ein langer Weg. Viele Koiliebhaber haben mittlerweile den dritten und vierten Teich aufgebaut, weil die älteren Systeme einfach den Anforderungen nicht gerecht wurden, zu schnell geschossen, oder am falschen Ende gespart wurde. Mit diesem Artikel versuche ich Ihnen einige Tipps zum Thema Koiteich zu geben um unnötige Umbauten, Neubauten und vor allem Ärger zu vermeiden.

Anfangen sollte man mit der Überlegung, was braucht der Nishikigoi…

Der Teich sollte mindestens 15.000 Liter fassen und 150 cm besser 200 cm tief sein. Über die Form kann man streiten, ob rund oder eckig bleibt jedem selbst überlassen. Der Nishikigoi ist in seinem eigentlichen Ursprung immer noch ein Karpfen, doch hier scheiden sich die Geister. Ich bevorzuge keinen naturnahen Teich mit Pflanzen und Bodengrund. Ein Koiteich oder besser gesagt der Teil in dem die Koi gehalten werden sollte weder Pflanzen noch Bodengrund enthalten. Diese Variante erleichtert es dem Koihalter ungemein sein Ökosystem Teich optimal von den Wasserwerten her auf die Bedürfnisse der Fische abzustimmen. Diese Art der Teichgestaltung ist zwar nicht ganz Artgerecht, verzeiht aber auch leichter Fehler. Eine Teichheizung ist für mich ein MUSS !!!  Steuereinheiten für alle möglichen Wasserparameter, Ozonanlagen oder Sauerstoffkonzentratoren können die Haltung vereinfachen, sind aber eher etwas für Profis, denn jede Technik beinhaltet auch Gefahren und Komplikationen und muss fachgerecht gepflegt und gewartet werden.

Der Filter und die ganze Technik am Koiteich muss den Ansprüchen der Koi genüge tun und ihre Abfallprodukte, sprich den Kot, ohne das Wasser im Teich zu belasten abbauen. Dazu kommen noch die Abfallprodukte in dem System die durch die Umwelt entstehen. Pflanzenreste, abgestorbene Algen, Laub und Schmutzpartikel durch Regen, Staub und abgestorbene Mikroorganismen seien hier mal als einige Beispiele genannt. Meiner Meinung nach kann der Filter gar nicht groß genug sein, besonders der biologische Bereich. Eine UV-Lampe zur Algenvernichtung ist genauso Pflicht, wie eine vernünftig abgestimmte Belüftungsanlage. Regelmäßige Filterreinigung und großzügige Wasserwechsel verhindert zusätzlich die Belastung des Teiches und sorgen für gesunde und vitale Nishikigoi. Auch wenn ihr Wasser immer klar ist, so verbraucht es sich mit der Zeit. Mineralien und Spurenelemente werden durch die Tiere aufgenommen und unsichtbare Schadstoffe (z.B. Schwermetalle und Bakterien) reichern sich dadurch im System an. Um dies zu vermeiden sind Wasserwechsel von mindestens 10 Prozent pro Woche, auch in der kalten Jahreszeit unumgänglich.

Wichtig ist auch die Pumpengröße und die Strömung im Teich. Je nach Filtersystem sollte das komplette Teichvolumen alle ein bis zwei Stunden komplett durch den Filter laufen. Schwerkraftsysteme sind ideal für Koiteiche geeignet, da sie den Schmutz sehr groß zum Filter führen und nicht vorher durch ein Pumpenrad zerkleinern. Einfacher gesagt, je größer der Schmutzpartikel zum Filter kommt, desto einfacher kann er den Schmutz aus dem Wasser nehmen. Der Teich muss so konstruiert werden, dass keine toten Ecken entstehen in denen sich Schmutzpartikel ansammeln können.

Ob Sie den Teich betonieren, mauern, mit EPDM Folie, PE Folie, diversen Dichtschlemmen, Kunststoffen oder GFK auskleiden bleibt ihnen überlassen. Wichtig ist, dass alle verwendeten Materialien lebensmittelecht sind und eine glatte Oberfläche bieten, damit sich ihre Lieblinge später nicht daran verletzen. Man sollte zusätzlich noch auf eine UV und Ozonbeständigkeit der Materialien achten, denn dies schützt vor einem natürlichen Verschleiß. Aus diesem Grund empfehle ich Ihnen auf eine PVC Folie zu verzichten, die in den meisten Fällen nur eine Haltbarkeit von 10 bis 15 Jahren hat.

Ihre Nishikigoi stammen vom Karpfen ab, sind aber hochgezüchtete Rassetiere, die über Jahrzehnte der Inzucht ihre heutigen Strukturen ausgeprägt haben. Meiner Meinung nach hat der heutige Farbkarpfen nichts mehr mit seiner Urform gemeinsam und ist auch weit empfindlicher in seinem ganzen Immunsystem und weit anfälliger gegen Umweltveränderungen und Umwelteinflüsse als seine Urform. Aus diesem Grund halte ich auch eine Heizungsanlage am Koiteich als unumgänglich. Starke Temperaturschwankungen von mehr als 3 bis 5 Grad am Tag und tiefe Wassertemperaturen unter 6 Grad schaden auf die Dauer unseren Fischen und können zu massiven Verlusten in ihrem Bestand führen. Wenn Sie bei der Planung und beim Bau ihrer Anlage schon an den kommenden Winter denken, dann ist der Einbau einer kostengünstigen Heizungsanlage, die Isolierung des Teiches und die Abdeckung um ein Auskühlen bei extrem niedrigen Außentemperaturen zu verhindern oftmals weit kostengünstiger und einfacher als eine nachträgliche Optimierung oder sogar ein Umbau der Teichanlage.

TIPP:
Bevor Sie mit dem eigentlichen Teichbau anfangen sollten Sie sich einige Teichanlagen Vorort anschauen. Fertigen Sie sich eine kleine Zeichnung an mit allen Maßen und lassen Sie sich damit im Fachhandel gut beraten und einige Filtersysteme zeigen, bevor Sie mit dem eigentlichen Teichbau anfangen. Viele Fehler lassen sich mit einer guten Planung von Anfang an vermeiden und schonen Nerven und den Geldbeutel. Leider gibt es bis Heute keine mir bekannte Fachliteratur explizit über den Teichbau, die ich ihnen empfehlen kann. Vielleicht wird sich dies aber in der Zukunft ändern.


Seien Sie sich darüber im Klaren, dass nicht nur der Teich- und Filterbau Geld kostet, auch das Betreiben der Koianlage ist mit ständig laufenden Kosten behaftet. Dies fängt beim Wasser an und hört beim Strom und Futter auf. Auch einen Tierarzt, diverse Teichpflegeprodukte und Medikamentenrechnungen sollte man mit einrechnen. Besonders in der Anfangsphase, in der sich das ganze Ökosystem aufbaut, kommt man oftmals um den Einsatz von Teichpflegeprodukten nicht herum. Wasseraufbereiter, Filterstarter, Testkits für diverse Wasserparameter und Mittel gegen Grün- und Fadenalgen seien hier einmal stellvertretend genannt. Oftmals werden diese laufenden Kosten nicht berücksichtigt und nach einem Jahr bei der nächsten Wasser- und Stromrechnung fallen die Koiliebhaber aus allen Wolken. Achten Sie beim Bau des Teiches besonders auf die Stromkosten und wählen Sie dementsprechend Pumpen- Belüftungs- Heizungs- und UV-Systeme aus, die nicht dafür sorgen, dass ihr Stromzähler eine Wasserkühlung braucht, weil das Rädchen anfängt zu rotieren ohne Ende. Bedenken Sie, dass der Filter und somit das ganze System fast unverändert 24 Stunden am Tag, das ganze Jahr über ohne Unterbrechung laufen muss.

Der Koi lebt im Wasser, und somit ist dieses Medium für den Koi überlebenswichtig. Gesunde Koi gibt es nicht, wenn die Wasserwerte nicht stimmen. Dies sollte jeder Koiliebhaber beachten und lieber einmal mehr die Wasserwerte überprüfen, als einmal zu wenig. In einer guten Teichanlage lässt sich Ammonium und Nitrit nicht nachweisen. Der Nitratgehalt liegt unter 100 mg/l besser sogar unter 50 mg/l und die Karbonathärte immer über 5. Der Sauerstoffgehalt im Teich sollte niemals unter 5 mg/l fallen, ideal sind um die 8 bis 10 mg/l. Besonders bei der Futterverwertung spielt der Sauerstoffgehalt eine wichtige Rolle. Zu wenig Sauerstoff im Wasser schädigt auf Dauer die Kiemen ihrer Fische und sorgt somit in der Folge für Erkrankungen und mitunter sogar Verlusten in ihrem Teich. Der pH-Wert sollte im Idealfall im Neutralen Bereich liegen, also bei 7. Nishikigoi sind aber, was den pH-Wert anbelangt relativ unempfindlich und verkraften eine recht hohe Spanne von 6 bis 9 ohne Probleme, solange der Wert relativ konstant bleibt und nicht ständig mehr als 0,2 bis 0,3 Punkte am Tag schwankt.

Nun zu den Krankheiten, dem Alptraum eines jeden Koikichi. Krankheiten können selbst in den vorbildlich geführten Teichen auftreten. Das A und O ist die schnelle Erkennung und das schnelle Handeln beim Auftritt  einer Erkrankung. Dazu ist es unumgänglich, sich jeden Tag mit den Koi zu beschäftigen und sie zu beobachten. Oftmals ist es für den Laien sehr schwer zu erkennen ob sich der Koi normal oder abnormal verhält. Hierzu kann ich nur eins sagen, sich schlau machen durch Rückfragen bei anderen Koiliebhabern mit mehr Erfahrung, einem Facharzt für Fische, dem Händler ihrer Vertrauens oder durch die Fachliteratur. Fragen Sie lieber zehnmal zu früh als einmal zu spät. Fangen Sie außerdem nie an, an den Koi selbst herum zu doktern oder irgendwelche Teichpflegeprodukte einzusetzen. Nur wenn Sie sich der Art der Erkrankung sicher sind, dann sollten sie dementsprechend handeln. Von vorbeugenden Einsätzen von diversen Teichpflegeprodukten oder sogar Medikamenten kann ich nur abraten. Oftmals führen solche Behandlungen, noch meist unsachgemäß durchgeführt, zu Resistenzbildungen bei den Krankheitserregern und zu Organschäden bei ihren Nishikigoi.

Ich hoffe Ihnen mit dieser kleinen Ausführung das Hobby Koi realistisch und sachgemäß dargestellt zu haben. Wenn sie noch Fragen haben, so scheuen Sie sich nicht mich zu kontaktieren. Es gibt niemals dumme Fragen sondern immer nur dumme Antworten.

Ich wünsche Ihnen viel Freude und Glück mit ihren Tieren und es verbleibt mit den besten Wünschen

Ihr
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